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Bethel  NY

 

Woodstock wird museumsreif

New York - Wood­stock kommt ins Museum. Wo vor 35 Jahren nahezu 500 000 junge Leute umne­belt von Haschischwol­ken zu Klängen von Musi­kern wie Jimi Hendrix und Janis Joplin, Joan Baez, The Who und Joe Cocker einen kol­lek­tiven Traum von Love and Peace träum­ten, graben Bagger das Erd­reich auf.

Kurz vor dem Geburts­tag der „Mutter aller Rock­kon­zer­te” am 15. August erfolgte der erste Spa­ten­stich für ein gut­bür­ger­liches Kul­tur­zen­trum. Ein „Hei­lig­tum” werde ent­weiht, schimp­fen alte Wood­stockia­ner.

Endgültig habe der Kommerz über jene gesiegt, die sich auf dem „größten Fest der Liebe” von ihm abwand­ten, klagt Artie Korn­feld, der Spre­cher der Wood­stock Pre­ser­vation Alliance. Ver­geb­lich hat die Gruppe jah­relang gefor­dert, dass der Ort des legen­dären Fes­tivals - die Rie­sen­wiese des Farmers Max Yasgur nahe der Klein­stadt Bethel im Sul­livan County, rund 150 Kilo­meter nord­west­lich von New York City - nicht angerührt wird.

Die alt gewor­denen Hippies mussten erle­ben, wie aus­gerech­net ein Ver­tre­ter des Esta­blis­hments, das sie doch so ver­ach­teten, Besitz ergriff von ihrem Wall­fahrts­ort. Als Jimi Hendrix den Sieg der Jungen ver­kün­dete und als Jef­fer­son Air­plane sang: „Schaut Euch um in den Straßen, Ihr seht eine Revo­lution”, da war der Unter­neh­mer Alan Gerry immer­hin schon 40 - stein­alt mithin für die Blu­men­kin­der.

Steinreich ist der heute 75-Jährige, der als Anten­nen­mon­teur begann und das TV-Impe­rium Cable­vision auf­baute, oben­drein. Aller­dings: Die rund eine Million Dollar (810 000 Euro), die Gerry 1995 dem Farmer Yasgur für das Fes­tival­gelände zahlte, waren keine so gewal­tige Summe, als dass eine Gemeinde ent­schlos­sener Fans sie nicht auch hätte auf­brin­gen können.

Doch die Ex-Blu­men­kin­der waren viel zu unent­schlos­sen, viel zu wenig orga­nisiert, um einem Self­made-Mann wie Gerry Paroli bieten zu können. Zumal der die Grund­besit­zer der Gegend, den Gemein­derat und auch den Bun­des­staat auf seiner Seite hatte. Bald nachdem der Mul­timil­lionär Yasgurs Farm gekauft und seine Vision von einem moder­nen Kultur- und Kunst­zen­trum ver­kün­det hatte, gingen rings­herum die Grund­stücks­preise steil nach oben.

Für die meisten Einheimischen, so hatte schon 1969 das Magazin „Time” ange­merkt, war das Fes­tival vor allem „die Ansamm­lung eines Mobs von Verrück­ten, der sich mit Dro­gen­trips zu einer über­laut ver­stärk­ten Kako­pho­nie aus­tob­te”. Aller­dings sind die Leute in Bethel jenen im rund zwei Auto­stun­den ent­fern­ten Ort Wood­stock längst dankbar dafür, dass sie damals ein Verbot des Rock­hap­penings in ihrer Gemeinde durch­setz­ten.

Im Namen des Kul­tur­zen­trums kommt Wood­stock nicht vor. Es wird „Bethel Woods Center for the Arts” heißen. Aber vom Nimbus des legen­dären Fes­tivals wollen die Betrei­ber und die Geschäfts­leute der Umge­bung schon pro­fitie­ren. „35 Jahre nach dem Wood­stock-Kon­zert kommen immer noch tau­sende Leute hier­her, um ein Stück von seiner Magie zu erha­schen”, sagte bei der Spa­ten­stich­zere­monie New Yorks Gou­ver­neur George Pataki. Bethel und Umge­bung stünden vor einer „kul­turel­len Wie­der­gebur­t”.

Immerhin soll es neben klassischer Musik und Jazz im Kul­tur­zen­trum von Bethel auch Rock­kon­zerte geben. Und ein Wood­stock-Museum soll an das Fes­tival erin­nern. Dem Bun­des­staat, der den rund 65 Mil­lio­nen Dollar teuren Bau mit 15 Mil­lio­nen Dollar unter­stützt, geht es laut Pataki vor allem um die För­derung des Tou­ris­mus und die Schaf­fung von Arbeitsplät­zen. Die Idee einer ganz neuen Gesell­schaft, von der die Wood­stock-Hip­pies einst träum­ten, scheint in Bethel end­gül­tig muse­ums­reif zu sein.

 

http://rhein-zeitung.de/a/magazinmusik/t/rzo79227.html
Freitag, 13. August 2004, 16:46 © RZ-Online GmbH (NewsDesk)

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