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Museumsreif Woodstock wird Kulturzentrum

Am Hippie-Wallfahrtsort von 1969 obsiegt doch noch das Establishment


New York - Woodstock kommt ins Museum. Wo vor 35 Jahren nahezu 500.000 junge Leute umnebelt von Haschischwolken zu Klängen von Musikern wie Jimi Hendrix und Janis Joplin, Joan Baez, The Who und Joe Cocker einen kollektiven Traum von Love and Peace träumten, graben Bagger das Erdreich auf. Kurz vor dem Geburtstag der "Mutter aller Rockkonzerte" am 15. August erfolgte der erste Spatenstich für ein gutbürgerliches Kulturzentrum. Ein "Heiligtum" werde entweiht, schimpfen alte Woodstockianer.

Endgültig habe der Kommerz über jene gesiegt, die sich auf dem "größten Fest der Liebe" von ihm abwandten, klagt Artie Kornfeld, der Sprecher der Woodstock Preservation Alliance. Vergeblich hat die Gruppe jahrelang gefordert, dass der Ort des legendären Festivals - die Riesenwiese des Farmers Max Yasgur nahe der Kleinstadt Bethel im Sullivan County, rund 150 Kilometer nordwestlich von New York City - nicht angerührt wird.

Die alt gewordenen Hippies mussten erleben, wie ausgerechnet ein Vertreter des Establishments, das sie doch so verachteten, Besitz ergriff von ihrem Wallfahrtsort. Als Jimi Hendrix den Sieg der Jungen verkündete und als Jefferson Airplane sang: "Schaut Euch um in den Straßen, Ihr seht eine Revolution", da war der Unternehmer Alan Gerry immerhin schon 40 - steinalt mithin für die Blumenkinder.

Steinreich ist der heute 75-Jährige, der als Antennenmonteur begann und das TV-Imperium Cablevision aufbaute, obendrein. Allerdings: Die rund eine Million Dollar (810.000 Euro), die Gerry 1995 dem Farmer Yasgur für das Festivalgelände zahlte, waren keine so gewaltige Summe, als dass eine Gemeinde entschlossener Fans sie nicht auch hätte aufbringen können.


Doch die Ex-Blumenkinder waren viel zu unentschlossen, viel zu wenig organisiert, um einem Selfmade-Mann wie Gerry Paroli bieten zu können. Zumal der die Grundbesitzer der Gegend, den Gemeinderat und auch den Bundesstaat auf seiner Seite hatte. Bald nachdem der Multimillionär Yasgurs Farm gekauft und seine Vision von einem modernen Kultur- und Kunstzentrum verkündet hatte, gingen ringsherum die Grundstückspreise steil nach oben.

Für die meisten Einheimischen, so hatte schon 1969 das Magazin "Time" angemerkt, war das Festival vor allem "die Ansammlung eines Mobs von Verrückten, der sich mit Drogentrips zu einer überlaut verstärkten Kakophonie austobte". Allerdings sind die Leute in Bethel jenen im rund zwei Autostunden entfernten Ort Woodstock längst dankbar dafür, dass sie damals ein Verbot des Rockhappenings in ihrer Gemeinde durchsetzten.

Im Namen des Kulturzentrums kommt Woodstock nicht vor. Es wird "Bethel Woods Center for the Arts" heißen. Aber vom Nimbus des legendären Festivals wollen die Betreiber und die Geschäftsleute der Umgebung schon profitieren. "35 Jahre nach dem Woodstock-Konzert kommen immer noch tausende Leute hierher, um ein Stück von seiner Magie zu erhaschen", sagte bei der Spatenstichzeremonie New Yorks Gouverneur George Pataki. Bethel und Umgebung stünden vor einer "kulturellen Wiedergeburt".

Immerhin soll es neben klassischer Musik und Jazz im Kulturzentrum von Bethel auch Rockkonzerte geben. Und ein Woodstock-Museum soll an das Festival erinnern. Dem Bundesstaat, der den rund 65 Millionen Dollar teuren Bau mit 15 Millionen Dollar unterstützt, geht es laut Pataki vor allem um die Förderung des Tourismus und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Idee einer ganz neuen Gesellschaft, von der die Woodstock-Hippies einst träumten, scheint in Bethel endgültig museumsreif zu sein.
dpa

11.08.2004 - aktualisiert: 26.07.2006, 14:49 Uhr

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